Historie und Geschichte der Isla Holbox
Vom Fischerort der Maya zur trendigen Urlaubsinsel
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Die Isla Holbox (ausgesprochen: „Hol-Bosch“) ist eine flache Koralleninsel an der Nordküste der Yucatán-Halbinsel im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo. Sie ist etwa 42 km lang und 1–2 km breit und gehört zum Yum-Balam-Biosphärenreservat, das die Lagunen und Mangroven schützt. Ihre faszinierende Geschichte beginnt mit den Maya, setzt sich über Piratenlegenden und mutige Siedler fort und reicht bis zur modernen Tourismusentwicklung. Heute ist Holbox vor allem für seine unberührten, weißen Sandstrände, die entspannte Lebensweise und den Ökotourismus bekannt. Tauche mit uns in die Vergangenheit ein und erfahre, wie aus einem abgelegenen Fischerdorf ein begehrtes Reiseziel wurde.
Der Maya-Ursprung: Warum Holbox „Schwarzes Loch“ heißt
Holbox war den Maya bereits vor der Kolonialisierung durch die Spanier bekannt. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass sie die Insel saisonal als Fischlager nutzten. In der Maya-Architektur kam die Insel allerdings nie zu großer Bedeutung, da es dort keine Pyramiden oder andere Monumentalbauten gibt. Holbox war eher Teil des maritimen Wirtschafts- und Handelsnetzes der im Landesinneren gelegenen Großstädte wie Chichén Itzá.
Der Name Holbox stammt von den Maya-Völkern und bedeutet übersetzt „Schwarzes Loch“. Er ist auf die dunkle Färbung des Wassers in den Mangroven der nahe gelegenen Lagune Yalahau zurückzuführen, die die Insel vom Festland trennt. Die Gewässer rund um Isla Holbox sind generell sehr flach abfallend, weshalb das Meer in Küstennähe meistens trüb und manchmal leicht grünlich bis bräunlich-schwarz erscheint.
Die Maya-Sprache wird übrigens auch heute noch vereinzelt in Yucatán gesprochen und Mayathan genannt. Da sie nur an wenigen Schulen gelehrt wird und die ältere Generation sie kaum noch an die Jugend weitergibt, ist sie eine vom Aussterben bedrohte Sprache.
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Kolonialzeit: Die ersten Einwohner waren Piraten
Im wilden 16. Jahrhundert versteckten sich hier Piraten wie Jean Lafitte, da sich die spanischen Eroberer vorwiegend auf das Festland konzentrierten. Die geschützte, seichte Lagune und die Abgeschiedenheit der Insel machten Holbox zu einem idealen Rückzugsort für Freibeuter. Noch heute kann man bei einer Bootstour zur Cenote Yalahau einen Hauch dieser Abenteuerlust spüren.

Die Geburt der „Holboxeños“: Widerstand und Mut
Erst im 19. Jahrhundert kamen die Spanier auf die Insel und gründeten ein Dorf. Die ersten Erwähnungen der Isla Holbox finden sich in einem Schriftstück aus dem Jahr 1852, das vom Militärkommissar Juan Díaz und dem Friedensrichter Don Bartolomé Magaña an den Gouverneur von Yucatán, Miguel Barbachano y Tarrazo, geschickt wurde. Das angrenzende Festland war zuvor im Zuge des Kastenkriegs (Guerra de Castas) von rebellischen Maya angegriffen worden, weshalb die Menschen auf der Insel Zuflucht suchten. Die Regierung wollte sie davon abhalten, auf Holbox zu leben, doch die Bürger weigerten sich, ihre Häuser zu verlassen.
So kam es zwei Jahre später dazu, dass die Bewohner der Insel schließlich als „Holboxeños“ anerkannt wurden. In der Folge entwickelte sich Holbox allmählich zu einem Dorf von Fischern und Bauern, die mit dem Festland in Yucatán Handel trieben, um sich mit den Waren zu versorgen, die es auf der Insel nicht gab. Bei der Volkszählung im Jahr 1866 lebten lediglich 30 Personen auf der Isla Holbox.
In den folgenden Jahren flüchteten aufgrund weiterer Maya-Angriffe in der Region rund um Tulum immer wieder Familien nach Holbox, sodass die Einwohnerzahl langsam anstieg. Wenig später begannen zwei große Unternehmen in der umliegenden Region aus den Urwäldern Rohstoffe wie Holz, Kautschuk und Farbstoffe zu gewinnen. Das lockte zahlreiche Arbeiter an und verhalf dem Hafen von Holbox zu Bedeutung.
Hurrikan, Wiederaufbau und Einbindung in Mexiko
Im Jahr 1886 zerstörte ein Hurrikan die Altstadt der Insel (damals nahe Punta Cocos) vollständig und forderte zahlreiche Todesopfer. Obwohl der damalige Gouverneur von Yucatán, Octavio Palomino, die endgültige Räumung von Holbox anordnete, weigerten sich die Einwohner abermals, die Insel zu verlassen. Sie waren bereits „so verwurzelt wie die Palmen, die sie vom Festland mitgebracht hatten“. Somit blieb den Behörden nichts anderes übrig, als ihre Einwohnerschaft zu akzeptieren.
Nach dem Wiederaufbau des Dorfes an einem etwas höher gelegenen Punkt der Insel wurde der Handel wieder aufgenommen, eine kleine Kaserne und eine Schule errichtet. Im Jahr 1901 wurden 544 Einwohner gezählt, woran sich in den nächsten 60 Jahren wenig änderte. 1902 wurde Yucatán in einzelne Staaten aufgeteilt und Holbox dem heutigen Bundesstaat Quintana Roo zugeordnet.
Von Holz und Kautschuk zurück zum Fischfang
Während der Mexikanischen Revolution (1910–1920) zogen sich die großen Holzverarbeitungsfirmen jedoch zurück. Somit blieb der Fischfang die einzige Haupteinnahmequelle der Bewohner, die daraufhin eine Genossenschaft zur Fischereierzeugung gründeten. Daran änderte sich in den folgenden Jahrzehnten auch wenig, weshalb die Insel lange Zeit relativ unbekannt blieb.
Moderne Infrastruktur und Schutz der Natur
Im Gegensatz zu den bereits in den 1950er-Jahren touristisch erschlossenen Orten und Inseln wie Isla Mujeres, kam die Elektrizität in Holbox sehr spät an. Erst im Jahr 1987 wurde die Insel offiziell an das Stromnetz angeschlossen. Die Motorisierung der Schifffahrt, die Errichtung eines Telegrafen und der später gebaute Flughafen, der für den Transport von frischem Hummer genutzt wurde, beendeten schließlich die Isolation der Insel.
1994 erhielt das Gebiet den Status eines Biosphärenreservats (Yum Balam), wodurch die Insel und die umliegenden Ökosysteme offiziell unter ökologischen Schutz gestellt wurden.
Die heutige Fährverbindung nach Chiquilá wurde erst in den 1990er Jahren aufgebaut und machte die Isla Holbox zunehmend für mehr Besucher zugänglich. Der letzte große Hurrikan „Wilma“ fegte übrigens im Oktober 2005 über die Region und richtete schwere Schäden im Hafen, bei vielen Gebäuden und an der gesamten Infrastruktur an. Die Insel wurde damals vollständig evakuiert und den Naturgewalten überlassen. Es dauerte einige Monate, bis alle Schäden repariert waren und Holbox wieder in neuem Glanz erstrahlte. Auch wir waren davon indirekt betroffen, denn unsere für Anfang 2006 gebuchte Unterkunft war noch nicht wiedereröffnet, als wir ankamen.
Tourismusboom und aktuelle Entwicklungen
Seit den 2000er Jahren ist Isla Holbox von einem ruhigen Fischerdorf zu einem begehrten Touristenziel für Naturliebhaber und Badeurlauber geworden. Hierher kommen Walhaie, die zwischen Ende Mai und Mitte September die umliegenden Gewässer nach Plankton durchstreifen. Mit ihren langgestreckten Sandstränden und Mangroven ist die Insel nicht nur ein Naturparadies für Seevögel wie Reiher und Flamingos, sondern auch für Reptilien und (leider) Moskitos. Nach wie vor spielt der Fischfang auf Holbox eine große Rolle, weshalb frischer Fisch und Meeresfrüchte aller Art fast überall auf den Speisekarten der Restaurants zu finden sind.
Der durch den zunehmenden Tourismus ausgelöste Ausbau von Immobilien und Hotels wird von vielen Einwohnern und Umweltorganisationen jedoch kritisch gesehen. Sie klagen über eine zeitweise Überlastung der Infrastruktur, Wasser- und Abfallprobleme sowie den Druck, die Schutzbestimmungen des Biosphärenreservats zu lockern. Immer wieder kommt es zu juristischen Auseinandersetzungen um den Schutzstatus. Auch Protestaktionen, wie zeitweise Blockaden des Fährhafens durch die Anwohner oder die beiden rivalisierenden Fährenbetreiber, zeigen, dass der Konflikt zwischen dem Wunsch nach einem höheren Einkommen und dem Erhalt von traditioneller Kultur und unberührter Natur der Insel noch lange nicht gelöst ist.
Holbox heute: Identität zwischen Tradition und Wandel
Heute leben rund 2.000 Menschen auf Holbox. Die letzte Volkszählung im Jahr 2020 ergab laut INEGI 1.841 Einwohner, von denen viele weiterhin im Fischfang, zunehmend aber im Tourismus und den damit einhergehenden Dienstleistungen tätig sind.
Bis auf wenige Ausnahmen sind die sandigen Straßen der Insel noch immer autofrei und werden vorwiegend von Golfcarts, ATVs und Fahrrädern genutzt. Das trägt zum „entschleunigten“ Image der Insel bei. Darüber hinaus bietet das gut erhaltene Ökosystem zahlreiche Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten für nachhaltige Naturerlebnisse.
Die von den Maya und den spanischen Kolonialisten geprägte lebendige Kultur erfreut sich heute großer Beliebtheit. Dies spiegelt sich besonders in den zahlreichen bunten Wandmalereien (Murals) wider, die spannende Geschichten der Fischer erzählen. Auch die religiösen und traditionellen Feste, wie das San Telmo Festival, verdeutlichen den tiefen Bezug der hier lebenden Menschen zum Meer.




